"- Gemeinde mit Gesicht - "
"Zwischen den Berglein, da wohnt ein Völklein wie Sodom und Gomorrha", so soll einmal ein Pfarrer die Flossenbürger charakterisiert haben. Aber entweder war es eine Fehleinschätzung oder aber die Predigt des Pfarrers hat gewirkt und die Leute verändert. Denn in Flossenbürg gibt es heute eine lebendige lutherische und auch eine lebendige katholische Gemeinde von Christinnen und Christen.
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Wahrzeichen des Ortes Flossenbürg und der nördlichen Oberpfalz ist die imposante Burgruine. Viele kennen Flossenbürg auch vom Schifahren am Wurmstein. Andere besuchen die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Flossenbürg. Viele fahren einfach durch das Dorf hindurch hinauf zur Silberhütte zum Skikanglauf. | Vielleicht sehen manche sie bei all diesen "Attraktionen" auch die kleine gelbe Kirche an der Hauptstraße.
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Der Eingang sieht fast aus wie ein Gesicht, und sie ist tagsüber für Besucherinnen und Besucher offen. Die evangelische St. Pankratiuskirche ist sozusagen die Mitte der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Flossenbürg. Als Gemeinde mit einem Gesicht, bzw. mit vielen Gesichtern so verstehen wir uns als evangelische Christen in Flossenbürg. Als Gemeinde die klares evangelisch-lutherisches Profil zeigt, und zugleich ökumenisch offen ist. |
Geschichte
Das lutherische Profil geht zurück auf eine lange evangelische Tradition. Kirchlich ist Floss die Mutterpfarrei von Flossenbürg. Wahrscheinlich gab es auf der Burg eine Kapelle. Flossenbürg ist auch seit der 1542 eingeführten Reformation zunächst einmal von Floss aus betreut worden. Ab 1846 wurde Flossenbürg dann selbständiges Vikariat und ist seit 1912 eigene Gemeinde. Ein Pfarrer in der Geschichte ist besonders hervorzuheben: Dr. med. Paul Schulze. Er war von 1923 bis 1929 hier Pfarrer. Schulze war vorher Missionar in Indien und ging wieder dorthin zurück. Er gründete 1928 den Evangelischen Jugendheimverein; dessen Ziel war, ein Heim für junge Wandergesellen zu bauen. Daraus wurde dann Anfang der siebziger Jahre der Bau eines Gemeindehauses: das Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Dietrich Bonhoeffer Die alten Flossenbürger erinnern sich gerne an den Arzt Paul Schulze. Er zog Zähne und rettete manchen mit Naturheilmitteln das Leben, egal ob Lutheraner oder Katholik. Und so blicken wir auf die konfessionellen Verhältnisse in Flossenbürg. Das Gebiet der Gemeinde reicht von der Silberhütte die Grenze entlang bis Waldheim und ins Zottbachtal, also auch Teilen von Georgenberg. Die Mehrheit wohnt aber in Flossenbürg.
Ökumene
Ein knappes Viertel der Bevölkerung ist evangelisch. Das Simultaneum gab es wie in anderen Gemeinden unseres Dekanats Weiden auch hier. Das Simultaneum war keine Zeit ökumenischer Freundschaft. Inzwischen ist das Klima wesentlich besser geworden: gegenseitige Einladungen, gemeinsame Gottesdienste und Geprächsabende wurden zur Selbstverständlichkeit.
"Gemeinde mit Gesicht",
das heißt auch "Gemeinde mit Gesichtern". Das Leben der gut 500 Gemeindeglieder wird geprägt von einem regen Evangelischen Frauenbund, von Kirchen- und Posaunenchor. Der Kindergottesdienst wird von vielen Kindern besucht. Die Senioren treffen sich einmal im Monat zu einenm Ausflug. Um das gesellschaftliche Leben, z.B. das Gemeindefest, genannt "Kinderfest", mit bewußt familienfreundlichen Preisen, kümmert sich der Evangelische Jugendheimverein. Wer die gelbe Kirche mit dem Gesicht besucht, der kann dort viel Interessantes entdecken: einen besonderen Kerzenleuchter in Form eines Rades und eine Gedenktafel. Sie erinnert mit den Worten: "Dietrich Bonhoeffer - ein Zeuge Jesu Christi unter seinen Brüdern ..." an den wohl bekanntesten deutschen Theologen der Christenheit. Am 9. April 1945 wurde er zusammen mit anderen im damaligen Konzentrationslager erhängt. Flossenbürg und Dietrich Bonhoeffer, diese beiden Namen werden immer verbunden bleiben. Daraus erwachsen auch Verpflichtungen für die evangelische Gemeinde. Viele Veranstaltungen wären ohne Unterstützung der Gemeinde gar nicht denkbar. In ökumenischer Offenheit stellen sich die Flossenbürger dieser Verantwortung. Evangelisch verbindlich und ökumenisch offen, so will unsere kleine Gemeinde in die Zukunft gehen. Dabei hält sie sich an ein Wort, das Pfarrers .Johann Klotz (1912- 1922) in die Pfarrchronik schrieb (Lukas 12,32):
"Fürchte dich nicht du kleine Herde, denn es ist des Vater Wohlgefallen, dir das Reich zu geben"
oder mit den Worten Dietrich Bonhoeffers:
"Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag, Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiß an jedem neuen Tag."
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